Climate Witness: Burr Morse, USA | WWF

Climate Witness: Burr Morse, USA



Posted on 20 mayo 2008
Burr Morse, Climate Witness, USA
Burr Morse, Climate Witness, USA
© Claude Stone
Mein Name ist Burr Morse und ich lebe in Zentralvermont, in der Gegend von Montpelier. Ich bin 60 Jahre alt und habe hier mein ganzes Leben verbracht. Meine Familie ist schon seit dem späten 17. Jahrhundert im Anbau von Ahornsirup tätig.

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In den letzten 20 Jahren hatten wir viele schlechten Saisons und viele davon würde ich den zu hohen Temperaturen zuschreiben. In mehreren dieser Jahre haben wir nur ein Drittel bis zu einer Hälfte vom Ertrag des Ahornsirups gemacht.

Ein Zuckerfarmer weiß es am besten

Ich denke wir Zuckerfarmer sind die wählerischsten Farmer auf der Welt, was das Wetter angeht, das wir brauchen.

Wir brauchen das perfekte Wetter. Wir können nicht mit Temperaturen um Null Grad in der Nacht leben. Im Frühling, wenn der Saft fließen soll, brauchen wir -3 Grad, also unter dem Gefrierpunkt. Dann brauchen wir +4 Grad am Tag und alles was darüber liegt ist zu warm. Wir brauchen Westwind. Wir brauchen vorhersehbares Wetter. Wenn sich die Dinge also ändern und der Wind kommt von Osten oder von Süden, dann fließt der Saft nicht.

In diesem Jahr reicht die schlechte Saison bis rauf nach Kanada und verursacht richtig hohe Ahornsirup-Preise. Der Preisanstieg muss etwas mit dem schlechten Jahr zu tun haben und jetzt gibt es auch keinen Überschuss mehr in Kanada, der die Preise sonst immer künstlich niedrig hielt.

Sich an das verändernde Klima gewöhnen...aber für wie lange?

Ich kann nicht behaupten, dass der Bundesstaat Vermont weniger Ahornsirup produziert. Wir schaffen es in etwa, dass unsere Produktion stabil bleibt, aber wir ändern die Herstellung. Wir bringen Absauger in die Wälder und das wirkt dem Wetter entgegen. So sind wir in der Lage die gleiche Menge Sirup herzustellen, wie wir das immer getan haben, aber wir müssen die Herstellung ändern.

Das Absaugen funktioniert indem wir die Bäume mit Netzwerken aus Plastikrohren verbinden und wir ein Vakuum in den Plastikrohren entstehen lassen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Saft nur aus der Wunde im Baum fließen kann, wenn der Druck innen größer ist, als der atmosphärische Druck aussen. Also entsteht durch das Vakuum in den Bäumen mehr Druck und so läuft der Saft hinaus.

Ich mache mir Sorgen über den zukünftigen Rückgang der Ahornbäume in diesem Teil von Nordamerika, wo das Herstellen von Ahornsirup schon seit so langer Zeit so wichtig für unseren Lebensstil ist.

Weihnachtsbäume schlagen in kurzen Ärmeln

Ironischerweise, war der Hauptgrund für unsere schlechte Ernte zu kaltes Wetter. Aber ich bin nicht bereit, das Denken aufzugeben, dass etwas mit dem Klima nicht stimmt. Nur weil es kälter ist, als es sein sollte und nicht wärmer, wie es eigentlich sein sollte, weil es unvorhersehbares Wetter ist.

Mir kommt es so vor, dass das Wetter extremer ist. Es scheint, als ob wir stärkere Stürme und manchmal sintflutartigen Regen bekommen, an den ich mich aus meiner Kindheit erinnern kann. Ich denke, das ist alles Teil des Klimawandels. Besonders fallen mir die Effekte der Windstürme auf, denn unsere Plastikrohre bleiben das ganze Jahr in den Wäldern und jedes Mal, wenn ein Windsturm Äste herunterweht und Bäume umfallen, fallen unsere Rohre runter.

Vor zwei Jahren haben wir auf unserer Farm Weihnachtsbäume geschlagen. Ich schlug sie tagelang kurz vor Weihnachten in meinem kurzärmeligen Oberteil. Vom Lesen alter Tagebücher und aus Erzählungen meiner Großeltern weiß ich, dass wir hier viel mehr Schnee und kälteres Wetter hatten.

Lösungen erarbeiten

Ich bin einer der Zuckerfarmer, der bereit ist darüber zu reden. Viele Zuckerfarmer sind von der alten Garde und sie sagen, dass es so etwas wie den Klimawandel nicht gebe und das alles in Ordnung sei und man sich nicht sorgen müsse.

Auch wenn ich politisch konservativ bin, fühle ich, dass der Klimawandel eine Gefahr darstellt und dass die Menschen der Grund für den Klimawandel sind und die Emissionen der Kraftstoffe, die wir benutzen ein Teil der Ursache sind. Ich würde gerne Verbesserungen in der Entwicklung von alternativen Kraftstoffen sehen. Außerdem geht uns das Erdöl aus. Es ist bewiesen, also: Warum würde es nicht vernünftig sein, an der Entwicklung von alternativen Kraftstoffen zu arbeiten?

Ich habe mit vielen Gruppen und Reportern gesprochen und ich war sogar schon im nationalen Fernsehen. Ich war im letzten Jahr in den ABC Nachrichten und in bestimmten öffentlichen Radio-Programmen. Ich denke, dass Ahornsirupfarmer qualifizierter sind um den Klimawandel zu erkennen als andere, weil wir das richtige Wetter brauchen, damit unsere Industrie funktionieren kann. Ein Zuckerfarmer weiß es, weil er das richtige Wetter braucht, er arbeitet mit den Bäumen und wenn die Plastikrohre zu oft aus ihnen heraus fallen, erleidet er Schaden mit zu vielen Instandsetzungsarbeiten.

 

Wissenschaftliche Bewertung

Reviewed by: Dr Steve McNulty; USDA-Forest Service Southern Research Station, Raleigh, NC, USA

Diese Geschichte stimmt mit der Literatur überein. Es ist gut dokumentiert, dass sich die Intensität des Niederschlags seit 1900 um ungefähr 30% vergrößert hat und, dass die jährliche Durchschnitts-Temperatur in New England in den letzten 60 Jahren gestiegen ist (in der Epoche des Zeugen).

Es gibt keinen Beweis, der die Behauptung unterstützt, dass die Wind-Geschwindigkeit sich erhöht hat, aber das ist ein lokales Phänomen und sehr variabel. In Anbetracht der komplexen Bedingungen, die es braucht um den Saft zum fließen zu bringen, würde die Sirup-Produktivität im Klimawandel sehr heikel sein. 
Bericht der Arbeitsgruppe I des Internationalen Ausschusses für Klimawandel.
“Climate Change 2007: The Physical Science Basis Summary for Policymakers”. Figure SMP-4.


All articles are subject to scientific review by a member of the Climate Witness Science Advisory Panel.
 
Burr Morse, Climate Witness, USA
Burr Morse, Climate Witness, USA
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Burr Morse, Vermont maple syrup farmer, and his son Tom.
Burr Morse and his son Tom are maple syrup farmers in Vermont, USA. The Morse's have built a vacuum system to force the sap to run from the trees as the sap will not run naturally in the unusually warmer weather.
© Claude Stone Enlarge
Burr Morse's family have been maple syrup farmers since the late 1700s.
Burr Morse's family have been maple syrup farmers since the late 1700s.
© Claude Stone Enlarge