Climate Witness: Norbu Sherpa, Nepal | WWF

Climate Witness: Norbu Sherpa, Nepal



Posted on 20 abril 2007
Norbu Sherpa, WWF Climate Witness from Nepal
Norbu Sherpa, WWF Climate Witness from Nepal
© WWF Nepal
Mein Name ist Norbu Sherpa und ich komme aus der Region Khumbu in Nepal, in der Nähe des Mount Everest, dem höchsten Berg der Welt. In dieser Region bin ich seit zwanzig Jahren Trekking-Führer in der Region und habe in dieser Zeit viele Veränderungen gesehen. Ich konnte während meiner Expeditionen beobachten, wie viele Gletscher schrumpften und wie viele Gletscherseen größer wurden. Das Leben im Hochgebirge ist ohnehin schon schwer, doch wenn die Gefahr einer Flut hinzukommt, bedroht sie alles, was wir so mühsam auf- und angebaut haben.

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Ich weiß dies aus eigener bitterer Erfahrung. Vor gut zwanzig Jahren, am 4. August 1985, um drei Uhr nachmittags, brach der Damm des Dig Tsho-Gletschersees am Langmoche Gletscher. Die Flutwelle kam so schnell und mit solcher Kraft, dass sie fünf Häuser, viel Vieh und große Teile des Ackerlandes mit sich riss. Eines der Häuser war das meiner Familie. Die Flut spülte unseren Gemüseacker weg und ich erinnere mich noch an die Panik in den Augen unserer Kuh, als sie ertrank.

Die Flut dauerte zwei Stunden, danach stand meine Familie vor dem Nichts. Unsere Nachbarn halfen uns noch, nach unseren Habseligkeiten zu suchen, doch alles, was wir fanden, waren einige Dinge aus der Küche und sonst nichts. Wir hatten kein Zuhause mehr und kein Land. Doch die Sherpas sind hilfsbereite Menschen und gaben uns über einen Monat eine Unterkunft.

Zum Glück kam die Flut tagsüber. Wäre es nachts passiert – ich könnte meine Geschichte heute nicht mehr erzählen. Unser Leben war alles, was wir noch besaßen. Wir haben etwa 120.000 Rupien, das waren damals rund 16.000 US-Dollar verloren. Das ist keine kleine Summe. Für viele Sherpas ist das der Verdienst eines ganzen Lebens.

Später hörte ich, dass die Flut auch das fast fertig gestellte Wasserkraftwerk in Thamo zerstörte. Das soll 1,5 Millionen Dollar gekostet haben. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wie viel Geld das ist. Aber jeder Verlust, ob groß oder klein, ist schwer zu verkraften. Auch die Hängebrücke in unserem Dorf hat die Flut nicht überlebt. Wir hatten dadurch lange Zeit Schwierigkeiten, Nahrung und Nachschub ins Dorf zu bringen.

Die Flut hat mein Leben verändert. Ich studierte den Buddhismus und wollte Mönch werden. Doch nachdem wir alles verloren hatten, musste ich einen anderen Weg gehen. Ich bin jetzt Trekking-Führer und mit meinem Verdienst konnten meine Familie und ich eine kleine Trekking-Lodge in Ghat aufbauen.

Meine Geschchte ist in Khumbu kein Einzelfall. Ich war nicht der einzige, dessen Leben sich durch die Dig Tsho-Flut 1985 für immer veränderte. Jetzt sagen sie, dass solche Ereignisse im Himalaja häufiger vorkommen werden. In den Jahren als Trekking- und Expeditionsführer habe gesehen, wie sich Schneegrenze und Gletscher immer weiter nach oben verschieben. Gleichzeitig entstehen neue Seen, andere werden größer und größer.

Ich bin ein Mann der Berge, meines Volks. Wir haben normalerweise keinen Zugang zu internationalen Gruppen. Ich bin daher dankbar, meine Erfahrungen in diesem Forum zu teilen. Ich bitte Sie, den Klimawandel ernst zu nehmen. Denn es geht dabei um Menschen, ihr Leben und ihre Habseligkeiten überall auf der Welt. Von Deutschland bis in mein kleines Dorf Ghat unter den Gipfeln des Himalajas.
Norbu Sherpa, WWF Climate Witness from Nepal
Norbu Sherpa, WWF Climate Witness from Nepal
© WWF Nepal Enlarge
Climate Witness Norbu Sherpa on Al Jazeera.
Watch the video of Climate Witness Norbu Sherpa on the Al Jazeera website.
© Al Jazeera Enlarge
Norbu Sherpa at the Climate Witness Symposium in Tokyo, Japan in 2005
Norbu Sherpa at the Climate Witness Symposium in Tokyo, Japan in 2005
© WWF Japan Enlarge