Climate Witness: Katsuo Sasaki, Japan | WWF

Climate Witness: Katsuo Sasaki, Japan



Posted on 18 abril 2007
Katsuo Sasaki, WWF Climate Witness from Japan
Katsuo Sasaki, WWF Climate Witness from Japan
© WWF Japan
Mein Name ist Katsuo Sasaki. Ich bin Landwirt und habe mehr als 40 Jahre Erfahrung im Reisanbau. Ich lebe in Miyagi im nördlichen Teil des Festlands von Honshu, Japans größter Insel.

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In den letzten zwölf Jahren habe ich ökologischen Reisanbau betrieben. Ich habe viele Veränderungen wahrgenommen, die meine Tätigkeit als Landwirt beeinträchtigen und meiner Ansicht nach auf den Klimawandel zurückzuführen sind, besonders während der letzten zehn Jahre. Ich fürchte, dass meine Felder in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr geeignet sein werden, um darauf Reis anzubauen.  

Miyagi ist als Anbaugebiet für qualitativ hochwertigen Reis bekannt. Während der letzten zehn Jahre ist die Reisqualität jedoch gesunken. Wenn die Temperatur im Sommer hoch ist, werden die Reiskörner trübe. Trüber Reis lässt sich nicht verkaufen, weil er von geringer Qualität ist. Die meisten Landwirte in der Gegend, ich inbegriffen, ringen mit dem getrübten Reis. In diesem Jahr hat die Bezirksverwaltung uns angewiesen, das Einsetzen der Pflanzen aufzuschieben, sodass der Reis erst im Herbst reif wird, wenn die Temperatur niedriger ist. Aufgrund der Veränderungen unseres Klimas müssen wir also unsere landwirtschaftlichen Verfahren an die neuen Gegebenheiten anpassen.

Vorsicht vor Ungeziefer


Zudem hat sich in letzter Zeit gefährliches Ungeziefer stark vermehrt, insbesondere Wanzen. Diese Käfer verursachen schwarze Punkte auf dem Reis, die den Handelswert der Ernte verringern. Vor zehn Jahren habe ich kaum Wanzen gesehen, aber sie tauchen in Japan auf den meisten Feldern immer häufiger auf.  

Viele Landwirte glauben, dass diese Entwicklung mit der globalen Erwärmung zusammenhängt, die nicht nur für die Reisbauern, sondern auch für Obst- und Gemüsebauern eine Menge Probleme mit sich bringt. Dadurch haben viele Landwirte keine andere Wahl mehr, als Pestizide einzusetzen, um die Insekten unter Kontrolle zu halten. Mein Reis ist noch immer resistent gegen diese Käfer, da ich mich auf den Anbau von widerstandsfähigen ökologischen Sorten konzentriert habe, ist. Aber ich befürchte, dass Miyagi in den kommenden Jahrzehnten nicht länger eine geeignete Gegend für den Reisanbau sein wird.

Guter Reis benötigt drei Dinge – ein geeignetes Klima, guten Boden und sauberes, mineralreiches Wasser. Ich habe den Eindruck, dass Miyagi aufgrund des Klimawandels sein gewohntes Klima verliert. In den kommenden Jahrzehnten wird Reisanbau wahrscheinlich auf Hokkaido, die nördliche Insel Japans, beschränkt sein. Die Gegend von Miyagi, die für ihren hochwertigen Reis bekannt ist, wird ihr Ansehen bald verlieren. Das erfahren wir schon jetzt. Ich sehe nur schlimme Folgen der Einflüsse des Klimawandels. Das bereitet mir große Sorgen.

Wetterextreme


Wir erleben zudem häufiger Wetterextreme als vor 40 Jahren, als ich meine Arbeit als Landwirt begann. Das ist schädlich für das Reiswachstum.  

Ich habe das Gefühl, dass der Klimawandel die Ursache für die häufige Veränderung der Temperaturen ist, die wir erleben. Auch zu anderen Jahreszeiten: Letztes Jahr hatten wir im Dezember wolkenbruchartige Regenfälle, was sehr ungewöhnlich ist. Oft haben wir in der Taifunzeit im September und in der Regensaison im Juni starke Niederschläge, aber im Dezember hatten wir noch nie solche Regenfälle, soweit ich mich erinnern kann. Letztes Jahr hatten wir Glück, weil es unser Anbaugebiet nicht getroffen hat, aber in Zukunft müssen wir auf diese Form unvorhergesehener Wetterereignisse vorbereitet sein.

In Harmonie mit der Natur leben


Bis jetzt haben wir die Natur dazu benutzt, unseren Bedürfnissen zu entsprechen. Wir haben eine Menge Pestizide und Dünger verwendet und Teile der Felder brachliegen lassen, wenn sie nicht genügend Ertrag lieferten, ohne über den Kreislauf der Natur nachzudenken. Ich habe das Gefühl, dass das Ökosystem auch aufgrund dieser Gewohnheiten zusammenbricht. Viele Landwirte merken jetzt, dass sie wegen des Klimawandels keine andere Wahl haben als noch mehr Pestizide zu verwenden und auf diese Weise am Ökosystem zu zehren und die Unbedenklichkeit der Nahrungsmittel zu gefährden. Es ist ein Teufelskreis.  

Ich versuche, diesen Kreis aufzubrechen, indem ich mich auf den biologischen Reisanbau konzentriere, von dem ich glaube, dass er der beste Weg ist, die Versorgung mit gesunden Nahrungsmitteln für die Kunden sicherzustellen. Ich denke, wir müssen die natürlichen Vorzüge des Reis wertschätzen und versuchen, eben diese Eigenschaften zu verstärken, damit wir widerstandsfähigeren Reis produzieren können. Ich glaube, dass wir in Harmonie mit der Natur leben müssen, anstatt sie zu missbrauchen.  

Hintergrund


Laut UN-Expertengremium IPCC ist die Durchschnittstemperatur in Japan im 20. Jahrhundert  um ein Grad Celsius angestiegen . Die wissenschaftlichen Prognosen legen nahe, dass diese Entwicklung anhalten und Japans Landwirtschaftssektor dadurch beeinträchtigen wird. Das japanische landwirtschaftliche Forschungsinstitut NARO meldet, dass die wärmeren Temperaturen die Reisqualität herabgesetzt sowie das Vorkommen schädlicher Insekten in 70 Prozent der japanischen Reisfelder erhöht haben. Der Reisanbau wird sich demnach in Zukunft wahrscheinlich in den nördlichen Teil Japans verlagern.
Katsuo Sasaki, WWF Climate Witness from Japan
Katsuo Sasaki, WWF Climate Witness from Japan
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Drying rice after harvest. Kurihara, Miyagi prefecture, Japan.
Drying rice after harvest. Kurihara, Miyagi prefecture, Japan.
© Kinori Enlarge
Rice paddy in Autumn. Wakayanagi, Kurihara, Miygai prefecture, Japan.
Rice paddy in Autumn. Wakayanagi, Kurihara, Miygai prefecture, Japan.
© Kinori Enlarge