Climate Witness: Olav Mathis Eira, Norway | WWF

Climate Witness: Olav Mathis Eira, Norway



Posted on 17 septiembre 2007
Olav Mathis Eira, Climate Witness, Norway
Olav Mathis Eira, Climate Witness, Norway
© Olav Mathis Eira
Ich heiße Olav Mathis Eira und ich bin ein Rentierhirte aus Nordnorwegen. Ich bin 50 Jahre alt und ich habe mein ganzes Leben lang mit Rentieren gearbeitet. Ich habe ungefähr 500 Rentiere. Seit dem 15. Jahrhundert ist das die Existenzgrundlage meiner Familie gewesen. Ich bin verheiratet und habe drei Söhne.

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Während der letzten 20 Jahren habe ich verschiedene Klimaänderungen beobachtet. Für uns, die Samen die von den Rentieren leben, ist der Winterregen die vordringlichste Veränderung. Regen im Winter ist so weit nördlich normalerweise sehr ungewöhnlich. Früher ist er nur alle 30 Jahre vorgekommen und wir hatten alte Methoden zum Vorhersagen des Wetters. Heute ist das nicht mehr möglich.

Die Anzahl der Stürme und die Niederschlagsmenge nehmen zu. Es regnet wenn es nicht regnet sollte, und dadurch wird das Eis auf Seen und Flüssen unsicher. Deswegen sind traditionelle Straßen über das Eis gefährlich geworden, was Unfälle verursacht wenn wir versuchen, an den Herden anzukommen. Da, wo es normalerweise zu dieser Jahreszeit hätte ungefährlich sein sollen, sind zwei meiner Neffen durch das Eis gefallen. Einer von ihnen ist fast ertrunken aber glücklicherweise sind sie beide unverletzt davongekommen.

Die Rentiernahrung ist vom Eis bedeckt


Die Wetteränderungen erschweren die Bedingungen des Rentierhütens. Durch den Regen wird der Schnee vereist, so dass die Rentiere das Essen - die Rentierflechte - von dem sie abhängen, um im Winter zu überleben, nicht erreichen können. Das Wetter können wir nicht mehr wie früher vorhersagen. Anfang der 90er Jahre war das ein Teil der Grund dafür, dass Rentierbesitzer 90% ihrer Herden verloren haben.

Nun müssen wir die Rentiere im Winter füttern. Wir müssen lange gehen, um ihnen das Essen zu bringen und es ist natürlich sehr teuer. Trotzdem ist das für uns die einzige Wahl, wenn wir weiter hüten wollen. Dennoch sind die Zahlen der Rentiere rückläufig. Wir wissen nicht warum, aber wir halten die Klimaveränderungen für die wahrscheinlichste Ursache davon.

Da, wo wir früher Schnee im frühen Oktober hatten, müssen wir jetzt manchmal bis Weihnachten dafür warten. Der Schnee verschwindet auch jedes Jahr früher. Vorher habe ich im April den Rentierfleisch zum Trocknen aufgehängt, und jetzt muss ich das im Februar tun, um die Fliegen zu vermeiden.

Diese sind einige der Gründe dafür, dass die Klimaveränderungen für die Samen zu einem wichtigen Thema geworden sind. Das wärmere Klima bringt mehr Insekten mit sich, insbesondere Stechmücken und Fliegen. Rentiere mögen die Insekten nicht, was ihnen weiter in die Berge hochtreibt, wo Nahrung knapper ist.

Höhere Baumgrenze


Von Jahr zu Jahr stiegt die Baumgrenze höher. Ich glaube, die Wälder nehmen jedes Jahr zu, und hier unten wird der Wald immer dichter.

Wir bemerken neue Vögel und Insekten, die keinen Namen in der samischen Sprache haben. Parasiten überleben, die im Winter gewöhnlicherweise sterben. So hat ein Nachbar von mir 70 Rentiere verloren.

Vorher haben wir Jahre mit schlechten Weiden gesehen, aber ab Mitte der Achtzigerjahre gab es mehrere Jahre mit ungenügenden Weiden, was Anfang der 90er Jahre auch wieder passiert ist, als wir so viele unserer Tiere verloren haben.

Seit Anfang der 90er Jahre sind sich Rentierbesitzer so ziemlich einig, dass das, was wir heute sehen, ganz widernatürlich ist. Längere Frostperioden gibt es nicht mehr. Dadurch wird auch die große Wanderung der Rentiere im Frühling schwieriger. Die Anzahl der Verluste während dieser Periode nimmt zu.

Am Anfang haben die Wetterveränderungen riesige Probleme für uns verursacht. Wir haben überlegt, wie wir in diesem Beruf durchstehen werden. Wohin würden wir umziehen? Es macht unseren Lebensstil unsicher. Aber wir passen uns daran, indem wir die Rentiere früher fortbewegen und die alte traditionelle zeitliche Abstimmung davon nicht bewahren. Trotz der hohen Kosten davon haben wir unsere Rentiere gelehrt, Pellets zu essen. Schließlich haben wir festgestellt, dass die Veränderungen im Klima unvermeidlich sind. Sie sind schon im Gang.

Nun versucht ein Forschungsprojekt, EALÁT - eine Zusammenarbeit zwischen mehreren Organisationen und Forschungsinstituten, unter anderen die Weltunion der Rentierhirten - den Einfluss des Klimawandels auf das Rentierhüten festzulegen.

Vielleicht werden wir den ganzen Kreis in der Zukunft umdrehen müssen. Falls es regnet wenn es nicht regnen sollte, werden wir vielleicht im Frühling und im Sommer neben der Küste anstatt im Flachland bleiben müssen.

Ich habe drei Söhne. Hoffentlich wird einer von ihnen die Familientradition des Rentierhütens fortführen. Aber es ist kein gutes Leben mehr. Die Zukunft ist unsicher.


 

Wissenschaftliches Gutachten

Begutachtet von: Lars R. Hole, Senior Scientist, Norwegische Institut für Luftforschung, Abt. Atmosphäre und Klima

Diese Beobachtungen passen zu der generellen Erwärmung und der Niederschlagszunahme, die in Norwegen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert beobachtet worden sind. Klimamodelle deuten außerdem auf größere Veränderlichkeit des Wetters in Nordnorwegen hin, was es weniger berechenbar macht. Weitere Informationen über das zukünftige Klima erhalten Sie beim RegClim Projekt.

Wenn man Klimaentwicklungen (Temperatur und Niederschlag) in Norwegen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert dennoch betrachtet, gibt es große Unterschiede in verschiedenen Gebieten und Tendenzen sind in verschiedenen Jahreszeiten anders. Von Jahr zu Jahr und von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gibt es auch Schwankungen. In den 30er Jahren war es zum Beispiel in Nordnorwegen und im Bezirk Troms, wo sich Lavangen befindet, besonders warm. Winterliche Temperaturen waren genau so hoch wie in den 90er Jahren. Andererseits waren Winter in den 60er und 80er Jahren in diesem Gebiet besonders kalt. Daher sind Entwicklungen in Wintertemperaturen in den letzten 100 Jahren nicht so stark, zwar lediglich ungefähr +0.04 °C in jedem Jahrzehnt.

Gleichermaßen hat es im Laufe des letzten Jahrhunderts einen Anstieg an winterlichem Niederschlag in Troms von nur einige wenige Prozent sowie große dekadische Schwankungen gegeben. Aber in den letzten zwei Jahrzehnten ist der Anstieg viel stärker gewesen.

Die gesamte Klimaforschung deutet darauf hin, dass es im Winter in Nordnorwegen höhere Temperaturen sowie mehr Niederschlag geben wird. Vereisung aber auch tiefere Schneebedeckung mitten im Winter werden wahrscheinlich Probleme für das Rentierhüten verursachen. Frühlingseinbruch wird früher und das traditionelle Rentierhüten wird sich auf diese Änderungen anpassen müssen.

Alle Artikel unterliegen dem wissenschaftlichen Gutachten von einem Mitglied der Climate Witness Science Advisory Panel.
 


Übersetzt von: Grace Hughes
Olav Mathis Eira, Climate Witness, Norway
Olav Mathis Eira, Climate Witness, Norway
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Olav is a Sami reindeer herder in northern Norway. Climate change has made it difficult for reindeer to access food, as increased winter rains freezes and forms a shield over the lichen.
Olav is a Sami reindeer herder in northern Norway.
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Olav's son marks a young reindeer. Olav hopes that one of his three sons will be able to continue the family business and tradition.
Olav's son marks a young reindeer. Olav hopes that one of his three sons will be able to continue the family business and tradition.
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