Climate Witness: John Rumney, Australia | WWF

Climate Witness: John Rumney, Australia



Posted on 01 mayo 2007
John Rumney, WWF Climate Witness from Australia
© John Rumney
Ich wuchs in den USA auf und war begeistert von den Wundern der Unterwasserwelt, die Jacques Cousteau in seinen Dokumentarfilmen auf die Leinwand brachte. Der Wunsch, einmal selbst an einer abenteuerlichen Expedition auf meiner eigenen „Calypso“ teilzunehmen, hat mich immer begleitet und hier am Großen Barriere-Riff sind meine kühnsten Jugendträume in Erfüllung gegangen, ja sogar noch übertroffen worden.

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Vor mehr als 30 Jahren bin ich hier in Far North Queensland gelandet und  konnte es nicht erwarten, die Schönheit und Wunderwelt des Großen Barriere-Riffs zu erforschen. Dem Riff gehört mein Herz, es ist der Mittelpunkt meines Lebens. Ich habe die USA verlassen, um diese Wunderwelt zu erforschen - und ich bin immer noch völlig fasziniert von diesem Riff.

Als ich mich in Port Douglas niedergelassen habe, widmete ich mich viele Jahre lang dem Fischen und Tauchen rund um das Riff ; gemeinsam mit meiner Frau Linda und später auch mit meiner jungen Familie verbrachte ich viele Wochen auf dem Meer. Mit der Zeit bemerkte ich jedoch, dass meine Vorstellung vom Barriere-Riff als unberührtem Wunderland nicht mit dem übereinstimmte, was ich um mich herum beobachtete. Als die Fischbestände immer kleiner wurden, gab es für mich keinen Zweifel mehr daran, dass sich mein Leben nach und nach verändern würde.

Forscher zum Riff bringen

In den frühen 80er Jahren heuerte die für das Riff zuständige Behörde (Great Barrier Reef Marine Park Authority) meine kommerziellen Fischer- und Charterboote an, um den Zustand des neu gegründeten Meeresparks zu erforschen. Als ich mit vielen verschiedenen Wissenschaftlern unterwegs war,  wurde mir klar, wie wenig Geldmittel zur Verfügung standen und wie schwierig der Zugang zu entlegenen Stellen am Riff war. Es musste Möglichkeiten geben, um diese Hindernisse, die der Erforschung des Riffs und seiner Wunderwelt im Wege standen, zu beseitigen Und somit war die Idee geboren, Einnahmen aus den Tauchausflügen der Touristen für die Forschung zu verwenden.

Im Jahr 1995 ging ich in der Erfüllung meiner Jugendträume noch einen Schritt weiter. In Zusammenarbeit mit Rino und Diana Grollo riefen wir das Projekt „Undersea Explorer“, was soviel wie „Unterwasserforscher“ bedeutet, ins Leben. Unsere Vision war es, eine „neue Calypso“ zu schaffen, um Freizeittauchern die Möglichkeit zu geben, gemeinsam mit Wissenschaftlern das Riff in seiner Einzigartigkeit und Schönheit zu erleben. Während für die Touristen das Abenteuer im Vordergrund steht, werden mit der Undersea Explorer eine Vielzahl von Forschungsprojekten finanziert, Schlüsselstellen am Riff zugänglich gemacht und  Anstellungen und Unterstützung für Meeresbiologen und Studenten angeboten.

Mein Unternehmen ist sehr erfolgreich und das Schiff dient als wichtige Basis für viele Forschungsarbeiten, in denen unter anderem die Biologie der Haie, Biologie der Zwergwale, Interaktionen zwischen Mensch und Walen, Wasserqualität, fluoreszierende Korallen, Bioerosion sowie der schwer zu beobachtende Nautilus erforscht werden.

Ungewisse Zukunft für das Riff und die umliegenden Gemeinden

Trotz meiner Erfolge in der Unterstützung der Umweltschutzbemühungen am Riff, wie zum Bespiel der Schutzplan für die Wasserqualität und die Umwidmung geschützter Gebiete am Großen Barriere-Riff von 4,5 % auf 33%, mache ich mir dennoch Sorgen um die Zukunft; nicht nur um das Riff, sondern auch um die Gemeinde, in der ich lebe und die Landschaft, die mein Haus umgibt.

Anfänglich war ich vor allem über die kleiner werdenden Fischbestände besorgt, doch mittlerweile   bereiten mir auch die Schäden, die durch nährstoffreiche Ausschwemmungen aus den Feldern in den küstennahen Bereichen des Riffs entstehen, Kopfzerbrechen. Was mich jedoch am allermeisten beunruhigt, ist die Gefahr der Korallenbleiche, die als Konsequenz der globalen Erwärmung auftritt. Es ist ein erschreckender Anblick, wenn man zum ersten Mal ein gebleichtes Riff sieht. Ein scheinbar gesundes, farbenfrohes, vitales Riff kann sich innerhalb von ein oder zwei Wochen  in eine farblose Geisterlandschaft verwandeln.

Abgesehen von meinen Bedenken über die Auswirkungen auf die Vitalität des Riffs,  sind mir aber vor allem die Konsequenzen des Korallensterbens auf mein Unternehmen und meine Gemeinde ein Anliegen. Das erste Mal sah ich vor 8 Jahren eine Korallenbleiche, die sich deutlich von den durch den Dornenkronen-Seestern verursachten Fraßschäden unterscheidet. Heute ist das Korallensterben leider kein ungewöhnlicher Anblick mehr.

Im Jahr 2009 waren wir in Alarmbereitschaft, weil nach einem sehr heißen Jahr eine umfassende Korallenbleiche erwartet wurde.  Die Wucht von Zyklon Hamish im Jahr 2008 und die damit einhergehenden Veränderungen in den Meeresströmungen brachten jedoch kühleres Wasser aus den Tiefen, und somit wurde die große Katastrophe einer massiven Korallenbleiche verhindert. Der Zyklon zerstörte zwar einen Großteil der Korallen, wir waren aber dennoch erleichtert, dass kein großes Korallensterben aufgetreten war.

Lokale Erscheinungen, wie etwa Massenauftreten von Räubern wie dem Dornenkronen-Seestern, die durch die Verschlechterung der Wasserqualität ausgelöst werden, üben ebenfalls großen Druck auf das Korallenriff aus und verstärken die Auswirkungen der Klimaveränderung. Ich habe in den letzten 6 Jahren bereits etwa 10 % meiner Tauchplätze an den Dornenkronen-Seestern und das Korallensterben verloren und ich weiß ganz genau, was in der Karibik und auf den Malediven passiert ist. Wenn das auch hier bei uns eintritt – was werden wir den Gästen noch zeigen können?
 
Die Versauerung der Meere lässt Korallen absterben


Im Jahr 2008 hörte ich vom Problem der Versauerung der Meere, das eine neue Gefahr für das Riff darstellen könnte. Aufgrund des erhöhten Anteils an Kohlendioxid in der Atmosphäre nehmen die Meere verstärkt Kohlendioxid auf. Das Meerwasser wird dadurch saurer, was wiederum die Korallen an der Bildung ihrer Kalkskelette hindert.

Wir haben uns alle hauptsächlich Sorgen um die Korallenbleiche und die durch den Dornenkronen-Seestern verursachten Fraßschäden gemacht, aber diese Erscheinungen sind möglicherweise im Gegensatz zu den Problemen, die eine Versauerung der Meere mit sich bringen könnte, nur von geringer Bedeutung.

Die Auswirkungen auf den Tourismus werden gewaltig sein


Wir haben Glück hier in Port Douglas – wir haben den Weltkulturerbe-Regenwald und das Große Barriere-Riff …aber alle kommen hierher, weil es Naturtourismus ist …sie wollen mit der Natur in Berührung kommen… wenn wir keine gesunde Natur mehr haben, die wir diesen Menschen zeigen können, werden sie den Bezug zur natürlichen Umwelt verlieren, von der wir alle abhängig sind, und ihre Zeit lieber in Disneyland verbringen.

Der Tourismus im Einzugsbereich des Großen Barriere-Riffs bringt jährliche Einnahmen von etwa 5,5 Mrd. US-Dollar und bietet Arbeitsplätze für ungefähr 60.000 Menschen. Es ist also nur allzu verständlich, dass ich mir Sorgen mache.

Wir müssen auf die Stimmen der tausenden Klimawissenschaftler hören, in unseren Herzen nach der unbeeinflussten Wahrheit suchen und Schritte unternehmen, um unsere Einstellungen zu verändern und unser Verhalten zu korrigieren.

Sehen Sie sich bitte diese kurze Dokumentation an, die über die Auswirkungen der Klimaveränderungen berichtet, die von John Rumney am Großen Barriere-Riff in Australien beobachtet wurden und ebenfalls die von ihm initiierten Maßnahmen zur Reduzierung des ökologischen Fußabdruckes darstellt.

John Rumney, WWF Climate Witness from Australia
© John Rumney Enlarge
Aerial view of Hardy Reef, Great Barrier Reef Marine Park, Australia.
© WWF / Jürgen Freund Enlarge
Coral reef destroyed by Crown of Thorn starfish or by coral bleeching.  Great Barrier Reef & Coral Sea, Australia.
Coral reef destroyed by Crown of Thorn starfish or by coral bleeching. Great Barrier Reef & Coral Sea, Australia.
© WWF / Jürgen FREUND Enlarge